Kaum eine(r) von den anwesenden Gemeinde- und Pastoralreferent(inn)en sowie Priestern, Ordenleuten und Vertreter(inne)n anderer Berufsgruppen war ein(e) wirkliche(r) Anfänger(in) in der Pastoral. Trotzdem wagten es alle, sich der Beginn- und Anfangsrealität in einem ganz spezifischen Berufsfeld zu stellen, nämlich der Hochschulpastoral.
Am ersten Tag beschrieben die Kolleginnen und Kollegen die Hochschulen an ihrem jeweiligen Standort fiktiv mit den Augen von Studierenden. Sie gaben Auskünfte über Größe, Schwerpunkte, Studierendenzahlen und andere Eigenheiten „ihrer“ Hochschulen. Es wurden kreative, interaktive Methoden und Möglichkeiten genutzt, sich über den eigenen Standort zu informieren.
Am Dienstag setzten sie sich mit „Aktuellen Fragen der Hochschulentwicklung“, genauer dem Themenfeld „Studium im Bologna-Prozess“, auseinander. Dazu suchten sie die FH Koblenz auf, um kontrovers mit Doris Ternes, Bolognabeauftragte der FH und Prof. Dr. Martin Wolf, Sozialwissenschaftler und Bologna-Kritiker, zu diskutieren.
Während Frau Ternes die meisten Ziele des Bologna-Prozesses an der FH Koblenz für erreicht hält (Konzept des lebenslangen Lernens, Interdisziplinarität, Vergleichbarkeit der Abschlüsse, Praxisbezug) und nur die fehlende Mobilität beklagte (siehe ppp), sprach ihr „Widersacher“ in der Diskussion von einem völlig verfehlten Prozess:
Bologna verabschiede das Wissenschaftsideal humboldt´scher Prägung, bevorteile Studierende, die gewohnt sind, an der Hand genommen zu werden, beschneide die Kreativität und das eigenständige Denken durch permanenten Leistungsdruck (vgl. Aufsatz Wolf).
Anschließend bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, in der KHG Koblenz das am Vormittag gehörte nochmals zu reflektieren und in Zusammenhang mit Papieren des Forums sowie Ergebnissen von KHP-Veranstaltungen zu setzen: Einige Schlaglichter der Diskussion:
Das Menschenbild bestimmt den Bildungsbegriff: Hier haben Hochschulgemeinden hinsichtlich des laufenden Bologna-Prozesses eine „ganzheitliche Persönlichkeitsbildung“ im Blick zu behalten.
Bildungsbeteiligung, Stärkung der Persönlichkeit, Unterstützung der materiellen Grundlagen zum Studium: Dies sind Punkte, an denen sich Hochschulgemeinden beteiligen können.
Besondere Chancen für hochschulpastorales Handeln erschließen sich bei der Ermöglichung kulturellen und sozialen Engagements.
Kirche müsste den verantwortlichen, sich frei entfaltenden Menschen fördern, Hochschulen wären der Raum dazu.
Hochschulseelsorge soll Anwalt der Studierenden sein.
Am Mittwoch gab es die Gelegenheit, die gewonnenen Erkenntnisse zum Bologna-Prozess gemeinsam mit Prof. Dr. Hans Hobelsberger von der KATHO Paderborn hin auf ein hochschulpastorales Konzept zu entwickeln.
Drei Schritte wurden unternommen: Zunächst ging es darum, die Lebenswelten junger Erwachsener zu befragen: Wann greifen junge Menschen auf Kirche zu?
Hobelsbergers Vision: Nicht Kirche wartet mit ihren Angeboten auf junge Menschen, sondern es besteht eine Chance, dass junge Menschen auf Kirche zugreifen, wenn bestimmte „Basics“ vorhanden sind und wenn soziale und biographische Passung besteht. Dazu müsse Hochschulseelsorge ein Knotenpunkt im „Unterstützungsnetzwerk“ für Studierende sein, dürfe keine „Gegenwelt“ aufbauen: Vernetzung mit den unterschiedlichen Einrichtungen, z. B. dem Studentenwerk, Studierendenvertretungen, Agenturen für „Service Learning“ seien zu etablieren. Unbedingt sollten Hochschulgemeinden eine Option für die Ärmeren formulieren, die politisch verfolgt wird und die sich in konkreten Hilfestellungen erweist, z. B. bezahlbarem Wohnraum, Beratung, Kindergärten sowie Integrationshilfen.
In einem zweiten Teil ging es um die Fragen:
Was wären Sozial- und Engagementformen, die für Studierende interessant sind?
Wie kann Hochschulgemeinde den „Bedarf“ herausfinden und dann anbieten? Die von der Hochschulpastoral jetzt geforderte „Anpassungsleistung“ an veränderte Bedingungen sei nicht nur dem „Bolognaprozess“ geschuldet, sondern auch den gewandelten Sozial- und Engagementformen junger (gebildeter) Menschen und deren Art und Weise, Religion und Kirche zu leben.
In einem dritten Teil wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder aktiv: Sie kreierten Anregungszusammenhänge und Gelegenheitsstrukturen für Begegnungsmöglichkeiten von Glauben und Existenz, die an Hochschulgemeinden angeboten werden können.
Eine theologische Grundlegung der (Hochschul-) Pastoral verortet Hobelsberger strikt anthropologisch: „Die Grundfrage aller Pastoral ist: Worum geht es, wenn ich damit rechne, dass Gott im Spiel ist? Es geht um den Menschen!“ Mit dem Glaubensbekenntnis von Nizäa kann er das Wesen des Christentums: „propter nos homines et propter nostram salutem“ benennen. Damit kann er Diakonie als „Urgeste“ des Christseins und grundlegende Dimension der Pastoral benennen.
An diesem Tag gab es ebenfalls Gelegenheit, zwei der wichtigsten Partner der Hochschulpastoral, den KAAD und das Cusanuswerk, über Herrn Dr. Weber (Generalsekretär KAAD) und Herrn Dr. Kölzer (Referent Cusanuswerk) kennenzulernen. Am Abend gab es die Möglichkeit, eingehend über das Forum Hochschule und Kirche und seiner Unterstützerstrukturen mit dessen Geschäftsführer Dr. Rölli und Willi Junkmann (Zuständig für die AKH) ins Gespräch zu kommen.
Der Donnerstag wurde vormittags intensiv zur eigenen Rollenreflexion am jeweiligen Standort genutzt: In Einzel- sowie Gruppenarbeit wurde zu folgenden Fragebereichen gearbeitet: Erwartungen an mich – von wem?
• Welche Botschaften werden -offen oder versteckt- transportiert und von wem?
• In welchen Netzwerken bewege ich mich?
• Organisationsmythen und Traditionen, die ich bedienen soll
• Was leitet mich in meiner Arbeit in der KHG?
• Was trägt mein Engagement in der KHG?
• Was ist meine (hochschul-)pastorale Vision?
• Welche Potentiale bringe ich mit?
• Was sind meine Fallen?
Hier erfolgte schon, wie im gesamten Kurs beobachtet, eine intensive kollegiale Beratung, die drei konkrete kollegiale „Lerngruppen“ mündete. In diesen Lerngruppen treffen sich die Beteiligten zwischen diesem nun abgeschlossenen ersten Kursteil und dem im November folgenden Kursteil. Dann wird es in Bad Honnef um das weite Feld der Spiritualität gehen.








